Es gibt Künstler, die füllen einen Abend. Und es gibt Ernst Molden. Der füllt die Zwischenräume. Zwischen zwei Liedern. Zwischen zwei Gedanken. Zwischen Menschen, die einander vielleicht gar nicht kennen und trotzdem in dieselbe Richtung schauen. So hat sich dieser Abend im wunderschönen Pfarrgarten angefühlt. Eine laue Sommernacht. Kein Tropfen Regen. Beste Wiener Würstlstand-Atmosphäre. Mit 16-Blech, Senf, Kren, Schmäh und einer Dämmerung, die sich unmerklich über die Arena legt und den Abend in eine andere Zeit hinübergleiten lässt. Dazu ein Geschichtenerzähler, der keine Show braucht. Nur Geschichten. Und diese poetische Wucht. Dazwischen diese unverwechselbaren Ansagen und Stories, die bei Molden nie bloß Überleitungen sind, sondern integrativ zum Konzert gehören. Bei Molden passiert nie besonders viel.
Und gleichzeitig passiert alles. Ein Blick, ein Satz, ein schiefer Gedanke, ein trockenes Lächeln. Manche Lieder schleichen sich beinahe unbemerkt ins Herz, andere kommen mit einer Selbstverständlichkeit daher, hinter der der Rock’n’Roll unverfroren grinst. Manche entfalten ihre größte Kraft überhaupt erst, wenn das nächste längst begonnen hat. Gemeinsam haben sie, dass sie nichts beweisen müssen. Sie erzählen einfach. Jedes Lied öffnet für einen Moment ein kleines Fenster. Dann wirkt es mitunter, als hätten Bob Dylan oder Nick Cave Ernst Molden gecovert und nicht umgekehrt.
Das Frauenorchester hat im Pfarrgarten nicht nur begleitet, sondern den Abend entscheidend mitgeschrieben. Es war Herzschlag, Gegenstimme, pure Spielfreude und unfassbarer Groove zugleich. Bei Maria Petrova (Schlagzeug), Marie-Theres Stickler (Akkordeon) und Judith Walzer (Bass) hört man einfach, dass sie einander musikalisch voll vertrauen, einander und dem Liedermacher Platz lassen, ohne in den Hintergrund zu treten. Genau daraus entsteht dieser unverwechselbare Klang – gelassen, virtuos und voller feinem Humor. Und dann kam noch Lokalmatadorin Sigrid Horn. Für zwei Lieder. Eigentlich viel zu kurz. Eine musikalische Heimkehr. Zwei Stimmen, die dieselbe Sprache sprechen – nicht nur im Dialekt, sondern vor allem in ihrer Art, Geschichten zu erzählen.
„Schduam“ hatte an diesem Abend aufgehört, ein Programmtitel zu sein. Es war der Zustand, in dem wir uns befunden haben. Ein paar hundert Menschen, die sich gemeinsam Zeit nehmen. Zum Dasein. Zum Zuhören und Zuschauen. Zum Gedanken kommen und gehen lassen. Weil Moldens Musik das einfach kann: das Staunen schüren. Die Bereitschaft, sich berühren zu lassen, ohne etwas erwarten zu müssen. Es gibt Konzerte, nach denen man über die Setlist spricht. Und es gibt Abende wie diesen. Dann wird „schduam“ nicht erklärt, sondern erlebt.